April 2019 – Eine geplante Reise, aber auch ein Neubeginn

Schon länger hatte unser Vereinsmitglied Lavinia vor, auch nach Andros zu reisen – entweder zusammen mit Marie oder allein, aber mit Maries Unterstützung von Deutschland aus. Ende April war es dann soweit, leider ohne Marie, die am 13. April von uns ging. Aber da wir die Tierschutzarbeit auf Andros fortsetzen wollen, war es umso wichtiger, dass diese Reise trotzdem stattfand. Hier nun Lavinias Bericht von ihrem ersten Besuch auf Andros:

Die Woche nach Ostern waren wir im „Urlaub“. Weswegen ich das Wort Urlaub in Anführungszeichen setze, hat einen Grund. Es war kein normaler Urlaub.

Wir waren auf Andros.

Die Idee, dorthin zu reisen, hatte ich Anfang April, als ein Flugpate für Sandro gesucht wurde. Wir hatten in der Familie besprochen, dass wir gern mal wieder zu viert in den Urlaub fahren wollten und da dachte ich, wieso eigentlich nicht Andros. Ich habe mich mit Marie besprochen, die sowieso seit langem wollte, dass ich mal mitkomme – leider hat es von der Zeit her nie gepasst. Sie fand die Idee super und wir haben gemeinsam angefangen, zu planen. Es war als ganz normaler Familienurlaub geplant, also ohne Kastraaktionen, sondern erstmal Kennenlernen der Insel und der Orte, der Menschen und das Mitbringen von Sandro, dabei wollte mich Marie von Deutschland aus anleiten.

Dann starb sie.

Von ihrer lieben Familie bekam ich die wichtigen Koordinaten und Telefonnummern zugesendet und habe versucht, mich irgendwie da durch zu fuchsen und die Planung fortzusetzen – es war ja alles gebucht und Sandro musste da weg. Und dann gab es da ja auch noch eine Bella, die schon mehrmals anderen den Vortritt lassen musste.

Der Urlaub bekam aber auch noch auf eine ganz andere Art und Weise Bedeutung, ich habe die Griechen kennen gelernt und mit ihnen darüber geredet, wie es ohne Marie jetzt weiter gehen kann. Ich habe versucht zu vermitteln, dass wir auf jeden Fall weitermachen wollen, dass es Menschen in Deutschland gibt, die sich über die Andros-Katzen Gedanken machen und dass wir uns aber erstmal sammeln müssen, aber dann auf jeden Fall weiterhin helfen wollen. Wie auch immer das aussehen wird. Schwieriger Gesprächsstoff, vor allem mit Menschen, die man überhaupt nicht kennt bzw. einschätzen kann, die nur über Koordinaten zu finden sind und die auch teilweise nur gebrochen Englisch sprechen. Das Ganze überschattet von der sowieso allgegenwärtigen Trauer um Marie.

Es wurde organisiert, dass Bella von A. eingefangen und mit Sandro zur Tierärztin gebracht wurde – reisefertig war sie ja. Dort haben wir die beiden auf dem Weg zur Fähre abgeholt. Im Vorhinein habe ich noch einen Labor-FeLV-Test bei der TÄ veranlasst, der Gott sei Dank negativ war.

Die Insel ist wunderschön. Sehr bergig und überall sind bunte Blumen, schöne Sandstrände und kleine Buchten, in denen weiße Fischerdörfer liegen, null touristisch. Eigentlich super, um mal zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen, zumindest, wenn man nicht aus einem bestimmten Grund da ist – wegen der Katzen.

Das erste Mal an den Futterstellen zu sein, war seltsam. Ich kannte alles ja schon von Maries Bildern und Berichten, aber es war nochmal was ganz anderes direkt vor Ort zu sein – auf ihrer Insel, bei ihren Katzen, aber ohne sie. Es fühlte sich an, als wäre ich eine Fremde, in der Geschichte einer anderen Person. Einige Katzen erkannte ich und hatte auch die Namen parat, aber bei den meisten wusste ich nur, dass ich sie auf Bildern schon gesehen hatte. Daher verbrachte ich einen Großteil der vier Nächte auf der Insel damit, die nahezu 160 Seiten in den Foren durchzustöbern und alle Berichte einzeln nochmal zu lesen und sie mit meinen vor Ort gesammelten Eindrücken und Bildern zu verknüpfen. Die verschiedenen Puzzleteile zusammenzusetzen, um klarer sehen zu können.

An jeder Ecke kann man erkennen, was für tolle Arbeit sie geleistet hat. Die Katzen sehen größtenteils wirklich gut aus, tolles Fell, wenig bis gar kein Schnupfen, wohlgenährt und zufrieden. Kein Vergleich zu den ersten Bildern, die sie vor zwei Jahren gemacht hatte.

Hier ein paar Eindrücke:

Dieser Spatz gehört zu einem Restaurant, er war die erste Andros-Katze, die wir sahen.

Wasilios

Futterstelle 1:

Futterstelle 2:

Futterstelle 3:

Natürlich gab es auch andere Fälle:

Den haben wir noch versucht einzufangen, um ihn zur TÄ zu bringen, es hat aber leider nicht geklappt, da er schwierig zu handhaben ist, die Lebendfalle nicht da war und die Zeit knapp war (zwei Stunden später mussten wir uns auf den Weg zur TÄ machen, die 45 Minuten entfernt war, um die Katzen abzuholen und dann zur Fähre zu fahren).

Bei unserer Unterkunft am Hafen haben wir auch einige Katzen gesehen, die augenscheinlich kein zu Hause haben und die auch zu keiner Futterstelle dazu gehören. Darunter zwei hochträchtige. Ernährt haben sie sich u.a. von Nudeln unterm Müllcontainer, daher haben wir mit S. vereinbart, dass er nach ihnen schaut und sie auf seiner täglichen Futterrunde mitfüttert. Wenn wir wieder vor Ort sind, können wir dort dann auch anfangen zu kastrieren. Die Mamas und auch die Kitten, wenn sie alt genug sind.

Unsere persönliche Freundin – Miena. So anhänglich.

Die Griechen sind unglaublich freundlich und würden sich sehr freuen, wenn wir es schaffen, die Arbeit, die Marie geleistet hat, wenigstens ansatzweise fortzuführen.

Mein persönliches Fazit:

Es ist kein Fass ohne Boden. Wenn man das Ganze durchdacht angeht, ohne am Anfang zu viel zu wollen, kann man versuchen, Maries Arbeit fortzuführen. Man darf es allerdings wirklich nicht unterschätzen, weder die körperliche Arbeit noch die emotionale Seite. Und das meine ich nicht nur bezüglich der Katzen. Die Trauer und die Abwesenheit von Marie liegen wie ein grauer Schatten über allem, was man tut und sieht. Das ist emotional anstrengend, aber ich denke, trotzdem unerlässlich. Es soll zu 100% in ihrem Sinne weitergeführt werden, daher ist der Gedanke an sie allgegenwärtig, aber auch Antrieb. Als wir dort waren, hätte ich gern mehr getan, aber blinder Aktionismus funktioniert in dieser Sache nicht. Ich bin jetzt vor Ort gewesen und habe nun eine Ahnung davon, was Marie auf Andros geleistet hat. Diese Eindrücke werde ich bei dem Vereinstreffen mit den Mitgliedern besprechen und wir werden eine gemeinsame Strategie entwickeln.

Und für alle, die sowas noch nie gemacht haben: auch der 24-stündige Rückweg, ohne Plan B, inklusive Fähre und Flug mit Katzen, ist allein schon sehr nervenaufreibend und schlaflos. Man muss wissen, ob man dafür gemacht ist.

Es war sehr interessant, sehr schön, sehr traurig, tief berührend, aber es ist alles andere als ein entspannter Urlaub.

Und jetzt sind Sandro und Bella in Deutschland, wie es sich Marie gewünscht hat.

Es ging darum, sich einfach erstmal einen Rundumblick zu verschaffen und die Leute kennenzulernen, um abschätzen zu können, was überhaupt in Zukunft geht. Dafür hatten wir drei volle Tage Zeit. Nicht viel, um in eine komplett neue Welt einzutauchen, ohne die eine Person, die uns hätte leiten können, aber vieles wurde durch die wunderbare telefonische Hilfe ihrer Familie leichter.

Sandro und Bella sind nun in ihrem jeweiligen neuen zu Hause und darüber bin ich sehr glücklich. Zwei so liebe und entspannte Katzen.

Hier noch ein Bild von Bella, kurz nachdem sie in Deutschland in ihrem neuen zu Hause angekommen ist.

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