Juli 2017 – Eine gut geplante Aktion

Unmittelbar nach Maries Rückkehr wurde für Juli eine größere Aktion geplant:

So, die Reisevorbereitungen stehen, es geht in drei Wochen wieder auf die Insel. Eine Userin aus einem anderen Forum begleitet mich diesmal, worüber ich mich sehr freue.

Dieses Mal ist eine große Kastrationsaktion geplant. Alle erwachsenen weiblichen Katzen an meiner Futterstelle – insgesamt 4 bis 6 – sollen kastriert werden. Auch A. bittet darum, dass die Katzen an ihrer Futterstelle kastriert werden können. Das sind nochmal 11 weibliche. A. kann die Kastrationen nicht bezahlen, deswegen füttert sie “nur”, denn wegsehen kann sie eben auch nicht. Dass das dauerhaft das Elend vergrößert, ist ihr aber genauso klar wie uns allen hier. Deswegen möchte ich ihre Streuner ebenfalls kastrieren lassen.

Im Moment ist das Geld für 8 Katzen zusammen. Die Zusage von 2 bis 3 Kastrapatenschaften ist recht wahrscheinlich. 5 bis 6 fehlen noch.

Ich werde in diesem Jahr im Herbst noch einmal kurz auf die Insel reisen, um wieder eine oder mehrere Katzen nach D zu holen, denn es wird bestimmt auch diesmal wieder welche geben, die in der Zwischenzeit auf die griechische Pflegestelle kommen, weil sie sonst nicht überleben.

Für Anfang 2018 ist die nächste große Kastrationsaktion geplant, bei der die Kitten aus diesem Jahr kastriert werden.

Außerdem planen einige Userinnen hier Aktionen hinter den Kulissen für die Inselkatzen. Ich finde das großartig. Das hier ist kein Projekt nur für eine Person und wenn es helfende Hände gibt – in welcher Form auch immer – ist das einfach toll.

Inzwischen bin ich auf vieles vorbereitet, inklusive eigener Transportboxen, einem Mietwagen, ich weiß, wie welche Medikamente in der Apotheke auf Griechisch heißen (und dass man sie rezeptfrei dort bekommt) und wo die Leute wohnen – und es ist zwar immer noch nicht wahnsinnig entspannt, aber viel, viel einfacher. Es ist alleine schon ein riesiges Problem, sich zurechtzufinden, wenn man nicht ortskundig ist, alle in verschiedenen Dörfern an irgendwelchen Bergen wohnen und es KEINE Adressen gibt. Und die Kontakte zu den Menschen vor Ort werden verlässlicher und belastbarer, man lernt sich gegenseitig kennen und das macht viel aus.

Liza ist inzwischen zur Vermittlung inseriert, hat in zehn Tagen 350 Gramm zugenommen und vertreibt sich die Zeit mit Spielen:

Ja, und dann ging es auf Andros auch gleich zur Sache. Die ersten Katzen wurden kastriert. Die Minis kommen mit nach Deutschland. Sie sind schon ausreisefertig gemacht. Sie kommen zuerst in Quarantäne. Sie haben Katzenschnupfen und müssen behandelt werden, werden dann geimpft gegen Schnupfen und Seuche. FIV-, FeLV- und ggf. Giardientest werden gemacht, sie werden kastriert und dann kommt Destiny (grau, weiblich) zu Liza (also direkt nach Ablauf der Quarantäne, damit Liza Gesellschaft hat) und Haribo und der kleine Muppet (rot-weiß und rot) kommen als Pflegekatzen dann zu guten Freunden, wenn sie medizinisch soweit fertig sind.

Samurai ist momentan in der Ferienwohnung. Er wurde kastriert, gechippt, reisefertig gemacht und die Zähne wurden behandelt. Dann kommt er auf eine Pflegestelle nach Dresden. Dort leben keine weiteren Katzen und er kann am Alltag teilnehmen. Das ist für ihn ideal.

Ein paar Bilder von der Futterstelle. Die beiden kastrierten Katzen (Eleni und Aliki) sind wieder dorthin gebracht worden. Cara (die erste, im Mai kastrierte Katze) hat einen Freund gefunden. Dieser Kater hat einen Abszess an der Wange. Abszesse sind hier eine der häufigen Todesursachen bei Katern, wenn sich Blutvergiftungen entwickeln.

Aufgrund der sehr guten Zusammenarbeit mit der Tierärztin beschloss Marie, auch Katzen an einer anderen Futterstelle kastrieren zu lassen. Und zwar aufgrund des schlimmen Zustands in dem viele Katzen dort sind. Dort wird gefüttert, aber nur 3 von 16 weiblichen Katzen sind kastriert. Durch das Futter überleben auch die kranken Katzen und der Infektionsdruck in der Gruppe ist gigantisch hoch.

Gestern kamen von dort die ersten drei Katzen zur Tierärztin. Sie werden kastriert und die Tierärztin checkt auch die Zähne. Aufgrund des Katzenschnupfens haben die Katzen oft Zahnprobleme. Wenn sie dann schon mal in Narkose sind, kann man ihnen wenigstens damit punktuell helfen.

Hier ein paar Fotos dieser Katzengruppe.

Inzwischen wurden auch Carlas Katerfreund mit dem Abszess und die schwarze “Augenkatze” namens Star eingefangen und zur Tierärztin gebracht. Das eine Auge ist “verrutscht” und müsste entfernt werden. Da Star aber Kitten hat, die bisher nicht gefunden werden konnten, muss sie schnell wieder rausgesetzt werden. Daher kann das Auge erst beim nächsten Mal operiert werden. Der Kater wurde versorgt, der Abszess gespült und weil er einmal in Narkose war, wurde er direkt kastriert.

An der Futterstelle 2 sieht es inzwischen so aus:

Nach Tagen intensiver Tierschutzarbeit auf Andros war schon die Zeit für die Rückreise gekommen:

Ich bin heute wieder in Berlin angekommen. A. und A., die die Futterstellen betreuen, haben vor die Kastrationen weiter durchzuziehen.

Die Minis sind bei mir im Bad zur vorläufigen Quarantäne. Nach FIV- und FeLV-Test ist eine Vergesellschaftung zumindest von einem Mini mit Liza vorgesehen. Erstgeimpft gegen Katzenschnupfen und -seuche sind sie bereits. Es gibt aber auch taktische Randüberlegungen, denn: Liza hat zwei Anfragen. Wenn sie zeitnah auszieht, würde ich kein Mini mehr zu ihr setzen. Dann bleiben die drei Minis bis zur Vermittlung zusammen. Wenn aber aus den Anfragen nicht sehr bald eine Vermittlung folgt, bekommt Liza Gesellschaft. Es wird jetzt wirklich Zeit. Das entscheidet sich in dieser Woche.
Die Minis sind gesundheitlich fit, haben die Reise größtenteils gemütlich verschlafen und toben jetzt gut gelaunt im Bad. Sie sind gegen Flöhe, Milben und Würmer behandelt, fressen Nassfutter wie kleine Fressraupen, sind unbekannten Menschen gegenüber etwas vorsichtig, aber wer sie mit Kaustangenstückchen besticht, den schließen sie sofort in ihr kleines Kittenherz. Alle drei sind kleine Schnurr-Schmusetiger und haben den Liebreiz natürlich für sich gepachtet.

Samu (kurz für Samurai) kommt nach Deutschland, sobald seine Tollwutimpfung greift. Er hat einen Einzelplatz bei einer Pflegestelle in Dresden, dort kann er am Alltag teilnehmen. Samu hat große Angst vor Artgenossen und ist sehr menschenbezogen. Daher ist das für ihn im Moment ideal – in Sachen mögliche Vergesellschaftung gucken wir dann weiter, wenn er fit ist.

Er hat starken Juckreiz, kratzt und putzt sich selbst blutig. Der erste Verdacht zielt auf Parasiten, dagegen ist er nun behandelt. Ich habe den Eindruck, dass es besser geworden ist. Die Gleichgewichtsschwierigkeiten sind noch da, aber milder als ich sie im Juni beobachtet habe. Vielleicht hängt es auch mit dem starken Milbenbefall zusammen. Katzenschnupfen hat er nicht, die Zähne sind nun saniert – bis auf den Juckreiz ist er fit und muss nur ein paar Kilo zunehmen, aber da er einen riesigen Appetit hat, sollte letzteres wirklich kein Problem sein.

Und hier das Abschiedsbild dieser Reise: Aliki (kastriert, siehe frische Kennzeichnung am Ohr) mit Sohn Elias (kastriert) und Töchterchen vom Mai.

Nur ein kleiner Absatz hier in diesem Bericht, aber ein großer Schritt für das Projekt: Im Hintergrund liefen in Deutschland Spendenaktionen, die dazu führten, dass die erste Futterpalette nach Andros gesandt werden konnte. Noch ahnt niemand, dass daraus eine große und regelmäßige Aktion wird, die das Projekt maßgeblich unterstützt. (Daher gibt es davon auch keine Fotos.)

Abschließend der Bericht von Maries Reisebegleitung, die eindrucksvoll beschreibt, was dieses Projekt bewirken kann, wie aufreibend und kräftezehrend, aber auch, wie wertvoll diese Tierschutzarbeit ist:

Ihr habt in Maries Berichten mitverfolgen können, was wir alles gemacht und erreicht haben. Diejenigen unter euch, die Tierschutzarbeit machen, wissen vermutlich, was das bedeutet. Für mich war es allerdings absolutes Neuland und daher möchte ich hier einige meiner Eindrücke wiedergeben.

Andros ist landschaftlich eine wunderschöne Insel, eigentlich eine tolle Urlaubsregion. Genießen kann man das aber absolut nicht, denn die ganze Insel ist vollgestopft mit Katzen. Und nur wenigen davon geht es wirklich gut. Die meisten sind wirklich sehr krank, was nicht selten zu einem langsamen Tod in jungen Jahren führt. Man wird an jeder Ecke mit hungrigen Augen angeschaut, offen angebettelt oder sieht sie im Müll wühlen. Da muss man einfach helfen.

Weil man nicht überall gleichzeitig anfangen kann, hat Marie entschieden, zunächst 2 Gruppen durchzukastrieren. Die Müllkatzen und die Katzen von A. Wir haben insgesamt 11 Katzen und 2 Kater kastrieren lassen. Klingt nicht nach viel für eine Woche? Man darf aber nicht vergessen, welcher Rattenschwanz an Arbeit damit verbunden ist:

Man muss die Katzen einfangen, was je nach Katze ein echtes Geduldsspiel werden kann und daher viel Zeit raubt.

Es gibt nur eine begrenzte Zahl an Transportkörben und Plätzen im Auto.

Die Fahrt zur TÄ dauert ca. 45 Minuten einfach, man muss für die Ablieferung also locker 2 Stunden einplanen. Und das mindestens zweimal am Tag. Weil wir 2 Gruppen betreut haben, muss man einen gewissen Hygienestandard aufrecht erhalten, was bedeutet: Boxen schrubben, schrubben und nochmals schrubben, desinfizieren. Und Kleidung wechseln bzw. waschen.

Die Katzen benötigen eine Nachsorge, bis sie wieder rausgesetzt werden können. Sie werden also nach der Kastration beobachtet, mit Nassfutter-Wasser-Brei versorgt, sobald sie fit genug sind, um die Narkosenachwirkungen zu minimieren und werden in andere Boxen umgesetzt, wenn sie sich einmachen. Um den Stress und die Abwesenheitszeiten für die Katzen möglichst kurz zu halten, vor allem für die säugenden Katzen, haben wir sie teilweise am frühen Morgen zwischen 4 und 5 Uhr zurück gebracht.

Die Gruppe von A. ist in einer Hanglage, man kann sie nur über eine Steintreppe mit gefühlt 1000 Stufen erreichen. Das bedeutet eine lange An- und Rückreise, jeder kann max. 2 Körbe tragen.

Weil der Tag aber nun mal nur 24 Stunden hat und man jeder Katze gerecht werden muss, sind die Möglichkeiten insgesamt sehr beschränkt. Dass wir dennoch 13 Katzen kastrieren konnten, Samurai und den Abszess-Kater versorgt und die Minis betreut haben, ging nur, weil wir sehr kurze Nächte hatten und uns insgesamt nur wenige Pausen gegönnt haben (und das alles bei Temperaturen um die 35 Grad). Wobei ich letzteres noch deutlich mehr hatte als Marie, die die „Pausen“ genutzt hat, um sich um organisatorische Probleme, die Kommunikation mit den Menschen vor Ort oder die Berichterstattung und Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern.

Zusätzlich haben wir Netzwerkarbeit vor Ort gemacht – arbeitsintensiv, aber wichtig, weil dabei Zukunftspläne für ein griechisch-deutsches Tierschutzprojekt entworfen werden. Die ganze Woche war eine sehr intensive, emotionale Zeit mit wenig Pausen und schwierigen Entscheidungen, aber auch sehr schönen Momenten. Für viele Katzen kann jetzt ein neues Leben anfangen. Dahinter steht die Arbeit, die sonst ein Verein leistet, hier aber von nur 2 Personen getragen wurde.

In der Woche kam ich selbst zwei Mal an meine persönliche Grenze. Von einer möchte ich euch berichten: Wir kamen gerade von einer Fangaktion und waren auf dem Weg zur Tierärztin, als vor uns eine Katze auf die Straße lief. Sie war definitiv am Sterben, unendlich dürr, taumelte beim Laufen, hatte Schaum/Sabber vorm Maul und hechelte. Was also tun? Einpacken, zur Tierärztin bringen und einschläfern lassen? Sicherlich die humanste Möglichkeit, aber wir hatten im Auto bereits vier Katzen, die wir nicht dem Infektionsrisiko aussetzen konnten. In dem Moment überlegt man ernsthaft im Sinne des Tieres, ob man nicht mit dem Auto kurzen Prozess macht. Wir konnten das nicht und entschieden uns, nach dem Tierarztbesuch nochmal vorbei zu schauen. Da war sie aber leider schon nicht mehr da.

Das Bild dieser Katze verfolgt mich immer noch und zeigt, wie dringend es ist, dass dort mit Hilfe von flächendeckender Kastration eine nachhaltige Struktur aufgebaut wird, die es den Katzen ermöglicht, ein würdevolles Leben zu leben.

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