Versorgung und Betreuung auf Andros

Vereinsziel

Den Schwerpunkt unserer Vereinsarbeit bildet die Versorgung der Katzen auf der griechischen Insel Andros – östlich von Athen gelegen, ca. 380 Quadratkilometer groß und mit etwas mehr als 9.000 Einwohnern. Das umfasst zum einen eine regelmäßige und ausreichende Futterversorgung. Zum anderen sollen möglichst viele Katzen kastriert werden, um das Elend einer unkontrollierten Vermehrung und der damit verbundenen Probleme (Verbreitung von Krankheiten, extremer Infektionsdruck, Futtermangel usw.) zu reduzieren. Schließlich gehört noch die medizinische Versorgung erkrankter Katzen zu den dringend notwendigen Maßnahmen.

Das Ziel ist, den auf Andros lebenden Katzen eine Existenz auf “ihrer” Insel zu ermöglichen. Nach Deutschland gebracht und vermittelt werden Tiere nur, wenn aus medizinischen Gründen ein Verbleib auf Andros nicht möglich ist. Ein umfangreicherer “Katzentourismus” würde die finanziellen und räumlichen Möglichkeiten unseres Vereins übersteigen, denn die von uns vermittelten Tiere werden erst abgegeben, nachdem sie auf Krankheiten getestet bzw. dagegen behandelt, kastriert und geimpft wurden.

Wenn es notwendig ist, schauen wir auch bei deutschen Straßenkatzen oder anderen Tieren selbstverständlich nicht weg! Dazu haben wir uns in unserer Satzung bekannt, denn für uns ist Tierschutz nicht an Herkunft oder Art gebunden.

Wofür das alles?

Warum hat Marie, unsere erste Vereinsvorsitzende, seit 2017 diese Mühen zunächst privat auf sich genommen und nachfolgend einen Verein gegründet, um den Katzen auf Andros künftig noch besser helfen zu können? Bekommt doch sowieso kaum einer mit, was auf dieser kleinen Insel passiert, die noch nicht mal ein Zwanzigstel so groß ist wie die die beliebte und weitaus bekanntere Urlaubsinsel Kreta! Und was soll unsere Aktivität auf diesem Inselchen denn insgesamt Großes bewirken?

Das lässt sich ganz einfach mit den nachfolgenden Bildern beantworten, die stellvertretend für die vielen anderen geretteten und nun versorgten Katzen einen bekannten Spruch illustrieren: “Ein Tier zu retten verändert nicht die ganze Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.”

Liza im April 2017 mit einem Gewicht von nur 900 Gramm und extremer Mastitis (Gesäugeentzündung; der „plüschige“ Bauch auf dem Foto ist kein Langhaarfell, sondern die Geschwulst…) und im März 2018 in ihrem neuen Zuhause zusammen mit ihrer “besten Freundin”. Die Katze, mit der das Andros-Projekt begann und die damals wohl nicht mehr lange überlebt hätte.

Samurai (Samu), der an der Futterstelle mit Kampfspuren übersät auftauchte und aufgrund von Zahnschmerzen kaum fressen konnte, hat sich zu einem prachtvollen Kater entwickelt:

Abgemagerte, räudige Katzen an den Mülltonnen im April 2017 und im Vergleich dazu an der sogenannten “Futterstelle 1” im Dezember 2018:

Rena im Juli und im November 2017:

Liane im Juli und im November 2017:

Star im April 2017 und im Januar 2018 (kurz nach der Augen-OP):

Miro-Vincent und Pitchko im Juni 2018 und nur 4 Monate später:

Wieso müssen die Katzen versorgt werden?

Die Katzen auf Andros sind wildlebende Streuner. Müssten sie daher nicht in der Lage sein, sich selbst zu versorgen? Sollten wir Menschen besser nicht in den natürlichen Ablauf eingreifen? Wird das “Katzenproblem” durch Fütterung nicht noch schlimmer?

Auf den ersten Blick mögen diese Fragen mit „ja“ zu beantworten sein. Genauer betrachtet, sieht die Lage anders aus. Um “natürlich” leben zu können, ist die Anzahl der Streunerkatzen zu hoch. Auch haben die Katzen als jahrtausendelange Kulturfolger des Menschen gelernt, dass es in Siedlungsnähe einfachere Nahrungsquellen gibt.

Das führt dazu, dass sich größere Populationen bevorzugt an Müllplätzen zusammenfinden. Jeder, der schon einmal in den südeuropäischen Ländern unterwegs war, kennt diese Ansammlungen von Mülltonnen an den Straßenrändern:

Von welcher “Qualität” das dort vorhandene Nahrungsangebot ist, und dass es bei weitem nicht ausreicht, ist unschwer vorstellbar. Unter- und Mangelernährung sind Standard. Krankheiten und Parasiten haben daher leichtes Spiel, noch gefördert durch die kühlen und regenreichen Winter auf Andros. Katzenschnupfen ist ein Dauergast und kein harmloser Erkältungsinfekt wie bei uns Menschen, sondern führt beispielsweise zu Erblindung sowie chronischer Schädigung der Atmungsorgane und endet nach langem Leidensweg häufig tödlich.

Durch die Konzentration vieler Tiere an den Müllplätzen ist der Infektionsdruck enorm. Dieses Elend wird durch eine unkontrollierte Vermehrung noch verstärkt. Auch wirft eine Kätzin auf Andros außer im Frühjahr und im Herbst noch zusätzlich im Juli, wenn der erste Wurf schnell verstirbt oder aufgrund eines wärmeren Winters zeitig erfolgt.

Was Infektionsdruck, Futtermangel, häufige Trächtigkeit und hohe Katzendichte bewirken, kann man hier sehen:

Zu den Maßnahmen, dieses Elend zu verringern, gehört auch eine regelmäßige und wenigstens annähernd artgerechte Futterversorgung. Es gibt inzwischen mehrere Futterstellen, die von Einheimischen kontinuierlich unterhalten werden. Diese werden unterstützt durch mehrfach im Jahr nach Andros gesandte Futterspenden.

Die “Futterpalettenlogistik” hat unser Vereinsmitglied Sandra aus Köln in festen und zuverlässigen Händen. Auch diese Form der Unterstützung entstand aus viel Herzblut und ein wenig glücklichem Zufall und ist inzwischen eine wichtige Säule im Andros-Projekt geworden.

Schlussendlich ist aber auch noch Mithilfe auf griechischer Seite nötig, denn bevor eine Palette überhaupt auf Andros landet, braucht es einen Ort, an dem so viel Futter gelagert, eine Straße, die von einem Lastwagen befahren werden kann und eine Zustelladresse. Auf Andros ist das kein leichtes Unterfangen. Viele Häuser liegen am Hang, erreichbar nur über in Stein gehauene Treppenstufen oder kleine Gassen, die nicht für Autos geschweige denn Laster konzipiert sind.

Und Adressen auf Andros sind Mangelware, selbst die Tierärztin hat keine. Zum Glück hat sich S. bereit erklärt, das Futter in der eigenen Garage zu lagern. Für S. ist das nicht wenig Aufwand. Manchmal steht S. mit ein paar hundert Kilo Futter auf dem Hof und muss es Stück für Stück in die Garage schaffen.

Warum sind Kastrationen so wichtig?

Fütterung und medizinische Behandlung führen dazu, dass die vorhandenen Katzen von den größten Überlebenssorgen befreit sind. Sie befinden sich in einem wesentlich besseren und widerstandsfähigeren Allgemeinzustand. Würden wir es dabei belassen, wäre die Fortpflanzungsrate durch mehr überlebende Katzenmütter und Welpen höher als ohnehin schon. Selbst auf kurze Sicht ein Fass ohne Boden, denn auch die Nachkommen müssten versorgt werden, um den Elendskreislauf von Mangel und Krankheit nicht erneut anzukurbeln!

Vielleicht haben Sie schon einmal die plakativen Schaubilder gesehen, denen zufolge aus einem Katzenpärchen innerhalb von zehn Jahren mehr als 80 Millionen Katzen werden können. Diese Rechnung ist allerdings falsch. Näher darauf einzugehen, würde den Rahmen dieser Seite sprengen. Falls Sie es genauer wissen möchten, finden Sie auf der Seite “Welt der Katzen” die Erläuterungen. Aber auch mit der korrigierten Berechnung wäre es immer noch mehr als eine Viertelmillion Katzen.

Die oben genannten Maßnahmen können daher nur erfolgreich sein, wenn möglichst viel Nachwuchs verhindert wird. Ein bedeutender Schwerpunkt unserer Tierschutzarbeit ist daher, alle Tiere an den Futterstellen kastrieren zu lassen, die sprichwörtlich „nicht bei drei auf dem Baum sind“. So wird verhindert, dass noch mehr Welpen in ein elendes, kurzes und leidvolles Leben hineingeboren werden.

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